Lüdinghauser Straße 12c, 59399 Olfen

Bürgermeinung

Meinung zur "Neuen Stever"

In der Bauausschusssitzung vom 15.06.2021 Protokoll Punkt 9.2 kündigt der Bürgermeister für die nahe Zukunft erforderliche politische Entscheidungen und Beschlüsse zur Neuen Stever an. Zu den Inhalten der Entscheidungen sind im Protokoll keine Ausführungen gemacht.

Ein Bürger unserer Stadt hat sich einige wenige Passagen des Planfeststellungsbeschlusses (Baugenehmigung) angesehen und Fakten und Denkanstöße dazu erstellt. Dieses Manuskript hat er an die jeweiligen Fraktionsvorsitzenden der im Olfener Rat vertretenen Parteien übermittelt.

Wir wollen auf diesem Weg die Olfener Bürger über die anstehenden politischen Entscheidungen informieren.

Sie können seine Gedanken und Argumentation hier herunterladen.

Projekt "Neue Stever"

Neue Stever

Axel Ellertmann Dienstag, 25. Februar 2020 von Axel Ellertmann

UWG-Olfen und die "Neue Stever"

Mehr Probleme als Lösungen

„Aus Sicht der UWG kann die so genannte „Neue Stever“ ruhig ins Wasser fallen“, bezieht Axel Ellertmann, Vorsitzender der UWG, eine klare Position.

Um das Projekt „Neue Stever“, also die geplante künstliche Verbindung zwischen der Stever in etwa vom Bereich des Klärwerks hinter dem Stever-Sportpark, vorbei am Naturschwimmbad bis zur Mündung in die Lippe südlich der Eversumer Straße sei es in letzter Zeit recht still geworden. Und dies müsse nach Ansicht der UWG-Fraktion auch nicht von Nachteil sein, da es ihrer Meinung nach eine Reihe guter Gründe gäbe, dieses Projekt nicht weiter zu verfolgen:

Ein Hauptargument, dass die UWG sieht, liegt in der großen Menge Wasser, die der Stever entzogen werden müsste. „Um auf einer Strecke von rund 4,5km nicht nur ein winziges Gerinne zu haben, müssten pro Sekunde ein halber Kubikmeter Wasser abgeführt werden“, erklärt Ellertmann weiter. In diesem Zuge würde dem Halterner Stausee in den nachweislich immer trockener werdenden Sommern zusätzlich Wasser für die Trinkwasserbereitung entzogen. Schon in den beiden letzten Sommern hätte Gelsenwasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal kostenpflichtig Wasser abziehen und in den Stausee leiten müssen.

Darüber hinaus spreche der Verlust wertvollen und knappen Ackerlandes gegen das Projekt. Bei einer Länge von ca. 4,5km und einer Breite von ca. 35m inklusive des Ufer-Rains würden den betroffenen Olfener Landwirten rund 14 Hektar dringend benötigtes Ackerland entzogen.

Aber auch hinsichtlich des Naturschutzes stuft die UWG die Planung als kritisch ein. Denn auf diese Weise könnten etwa auch nicht heimische Tierarten, wie etwa die aus Ostchina stammende Wollhandkrabbe in die Stever gelangen und einheimische Arten verdrängen. Darüber hinaus wäre der zu erwartende niedrige Wasserstand der neuen Stever zwar ideal für Fischreiher, die die dort hoch ziehende Fische mühelos fangen und somit den Fischbestand drastisch reduzieren könnten. Auch andere schon vorhandene Gräben so genannter „3. Ordnung“ könnten auf Grund der Veränderung der Landschaftsstruktur trocken fallen und insofern schon vorhandene Kleinbiotope gestört werden.

Statt einer mit vielen Fragezeichen und hohem finanziellen und logistischen Aufwand verbundenen Erstellung eines weiteren Fließgewässers macht die UWG den Alternativvorschlag über eine Fischtreppe im Bereich der Halterner Stauseen nachzudenken. Dies sei wesentlich kostengünstiger, würde keine Risiken bieten und trotzdem eine Fischwanderung ermöglichen.

Von daher, da ist die UWG sehr klar, kann das Projekt „Neue Stever“ ruhig den Bach runter gehen.

Pressemitteilung vom 25.09.2021

Unsere Pressemitteilungen

„Wir haben bereits bei der Beschlussfassung gegen den Bau der neuen Stever gestimmt und halten unsere Argumente mehr denn je für zutreffend“, äußert sich Heinz-Dieter Broz, Fraktionsvorsitzender der UWG zur aktuell wieder aufgeflammten Diskussion, die Hans-Oswald Mattern angestoßen hatte (die RN berichteten). Die UWG ist der Ansicht, dass das Projekt neue Stever nicht nur absolut zu teuer ist, sondern dass die dadurch verursachten realen Probleme in einem krassen Missverhältnis zu möglichen Vorteilen stehen.

Für die UWG sprechen u.a. folgende acht Hauptgründe gegen eine Umsetzung:

1. Um das notwendige Gefälle von gut 1 Meter pro Kilometer Wasserlauf zu erreichen, müsste das bestehende Gelände ungefähr zwischen einem und zehn Metern tief eingeschnitten werden, was unter vielerlei Gesichtspunkten wenig sinnvoll erscheint, würde man dann doch gerade einmal ein nur ca. 30cm „Waden tiefes“ Gerinne erschaffen.

2. Täglich (!) müssten der jetzigen Stever 18.000 bis 36.000 Kubikmeter Wasser entzogen werden, die sonst in den Hullerner und Halterner Stausee fließen und dort als Trinkwasserspeicher für mehr als eine Million Menschen dienen würden. Angesichts der nicht mehr zu leugnenden Klimaveränderung mit extrem trockenen Sommern stellt dies auf Dauer eine massive Gefährdung der Trinkwasserversorgung dar. In den letzten 4 Jahren waren die Wasservorräte in den Stauseen nachweislich dreimal unter den kritischen Wert von 50% gesunken

3. Das angestrebt Ziel, die Durchlässigkeit für Fische und Kleinstlebewesen zu schaffen, würde in den zweifelsfrei zu erwartenden heißen Sommern dazu führen, dass die neue Stever entweder so wenig Wasser führen würde, dass der dann nur noch gering vorhandene Sauerstoffgehalt ein Überleben von Fischen unmöglich machen würde. Wahrscheinlicher ist es sogar noch, dass das Gerinne gänzlich trocken fallen und das ganze Ansinnen nach Durchlässigkeit für Fische ins Absurde führen würde.

4. Das Gegenargument, dass in solchen Fällen ja Wasser aus dem Kanal abgezapft werden könne, ist insofern mit großen Fragezeichen zu versehen, da dadurch für die Trinkwasseraufbereitung ein deutlich erhöhter Filteraufwand notwendig wird, um Schwebstoffe, Schwermetalle und Verschmutzungen aus dem Schiffsbetrieb zu entfernen. Zusätzliche Kosten bei schon hohen Wasserpreisen inklusive.

5. Mit der neuen Stever wird auf den ersten Blick zwar der Naturschutzgedanke in den Vordergrund gerückt; doch laut Planfeststellungsverfahren müssen weit über 1.000 Bäume und rund 50.000 Sträucher gerodet werden. Durch diese massiven Eingriffe werden ohne jeden Zweifel negative Auswirkungen auf die betroffene Vogel- und Kleintierwelt ausgeübt. Es ist wenig schlüssig für auf die Zukunft bezogene und höchst fragliche ökologische Vorteile real bestehende und funktionierende Systeme zu zerstören.

6. Um das Gerinne auszubaggern müssen rund 275.000 Kubikmeter Erdreich bewegt werden. Dies geschieht mit einer Vielzahl an LKW, die vermeidbare Diesel- und Lärmemissionen verursachen.

7. Die neue Stever ist laut Planfeststellung nicht für die Olfener Bürger als direkter und zusätzlicher Naherholungsbereich vorgesehen, sodass man beispielsweise nicht an ihrem Verlauf spazieren gehen kann. Durch Beweidung wird eine Einzäunung notwendig, die einerseits den Abstand zum Gerinne ausweitet und andererseits auf Grund des tiefen Einschnittes in die Landschaftsstruktur dem Betrachter so gut wie keinen Einblick ermöglicht.

8. Das Projekt bringt einen nicht unerheblichen Flächenverbrauch mit sich, das angesichts der Knappheit landwirtschaftlicher Areale den Druck auf die Olfener Landwirte weiter erhöht.

Unterm Strich, so ist sich die UWG sicher, besteht hinsichtlich einer Aufwand- Nutzen Abwägung ein krasses Missverhältnis: Dem eher zweifelhaften Vorteil einer Fischdurchlässigkeit in der Zukunft stehen enorme finanzielle Kosten, massive Eingriffe in die bestehende Natur und eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung in der Realität als gravierende Nachteile gegenüber.

Statt große Umbaumaßnahmen an der Natur vorzunehmen schlägt die UWG stattdessen vor im Bereich Lippe/Halterner Stausee einfach eine Fischtreppe anzulegen. So wäre einerseits eine Fischwanderung Richtung Stever möglich, andererseits würden 18 Millionen Euro Steuergelder eingespart und gleichzeitig die nicht unerheblichen Risiken und Nachteile vermieden.

Deshalb sollte die neue Stever nach Ansicht der UWG nicht realisiert werden und könnte ruhig „baden gehen.“

UWG-Olfen

Heinz-Dieter Broz 25/09/2021

UWG Olfen (Unabhängige Wählergemeinschaft Olfen), Lüdinghauser Str. 12c, 59399 Olfen, E-Mail: uwg@uwg-olfen.de

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